Was geschieht bei einer Impfung?

Totimpfung(die meisten Impfungen): Teile eines abgetöteten Krankheitserregers (Bakterien oder Viren) werden in den Muskel gespritzt. Unser Immunsystem reagiert auf diese Teile und bildet Abwehrstoffe dagegen. Das ist ein normaler Vorgang, wie er tagtäglich vom Immunsystem geleistet wird, etwa bei jedem Schnupfen und kleinen Infekt. Diese Impfungen müssen mehrmals verabreicht werden (die Grundimmunisierung) und in regelmäßigen Abständen – meist alle 10 Jahre – wiederholt werden. Dadurch erkennt das Immunsystem bei einer Ansteckung den Erreger rasch  und ausschaltet ihn aus, bevor er sich zu stark vermehrt  und uns krank macht.

Lebendimpfung (va. Masern-Mumps-Röteln und Gelbfieber): hier wird ein künstlich abgeschwächter Erreger geimpft. Der Vorteil ist, dass meist nur 1 oder 2 Impfungen notwendig sind, um einen lebenslangen Schutz zu erreichen. Der Nachteil ist, dass diese Impfung eine stärkere Reaktion hervorruft und die geimpfte Krankheit in leichter Form ausgelöst werden kann: zb. typischerweise Fieber am 8.Tag nach der MMR-Impfung oder sogenannte Impfmasern.

Impfen ist also für das Immunsystem ein alltägliches Geschehen, der das Immunsystem zwar beschäftigt, aber nicht schwächt, im Gegenteil. Dagegen weiß man, dass z.B. eine Masernerkrankung das Immunsystem sogar 2 Jahre lang schwächen kann und Betroffene lange krankheitsanfälliger sind.

Wer also sein Kind nicht impfen lässt, setzt es dem Risiko aus, eine ernste Krankheit, die auch einmal lebenslange Schäden hinterlässt oder sogar tödlich verläuft, zu erleiden. Z.B. habe ich in meiner Turnuszeit noch einige lebensbedrohliche Kehlkopfentzündungen bei Kindern und auch Erwachsenen durch Hämophilusbakterien miterlebt, die seit der Impfeinführung nicht mehr auftreten.

“Krankheiten durchmachen ist gesund für unser Immunsystem und etwas Natürliches”: viele dieser Krankheiten sind erst mit unserer modernen Zivilisation heimisch geworden, weil die Menschen so dicht aneinander leben, dass wir uns gegenseitig anstecken können. Diese Krankheiten sind also nicht naturgegeben und gehören nicht eben zum Leben dazu, niemand braucht sie und niemand hat einen Vorteil vom Kranksein.

Sehr gute Information über die einzelnen Krankheiten und die Impfung dagegen liefert der österreichische Impfplan vom Bundesministerium, der für alle im Internet zugänglich ist.

Impfschema für Erwachsene:

ab dem 25. LJ und dann alle 10 Jahre eine Impfung gegen Diphtherie -Tetanus-Kinderlähmung-Keuchhusten (“Boostrix-Polio” oder “Repevax”).

FSME alle 5-10 Jahre. Vor der Impfeinführung 50-80 Erkrankungen/Jahr in Salzburg, nachher 5-8.

Pneumokokkenlungentzündungsimpfung : 1x ab dem 50.LJ (“Prevenar”), Wiederholung nach 1 Jahr mit “Pneumovac”. Jedenfalls für alle mit vorbestehenden Dauerleiden (Lunge, Herz, Leber,Niere, Diabetes) ein must do.

Grippeimpfung: diese muss derzeit noch jährlich – an den aktuellen Erreger angepasst – wiederholt werden. Bei 2500 Grippetoten im Jahr in Österreich ist es unverständlich, dass so wenige sich impfen lassen. Was Viren anrichten können, erleben wir derzeit bei der Coronapandemie.

Wenn viele geimpft sind, kann keine Epidemie ausbrechen, das schützt dann die Immunschwachen unserer Gesellschaft (Herdenimmunität): Menschen in Chemotherapie, COPD-, Herzschwäche-, Nierenischwäche- , Leberschwächekranke.

Als Arzt bin ich froh, dass wir die Möglichkeit haben, uns vor vielen ernsten Krankheiten zu schützen und niemanden mehr oft hilflos bei diesen Krankheiten begleiten zu müssen!